
Versteckspiel im ZDF-Studio: Warum Schulze dem AfD-Sieger auswich

Der Wahlabend in Sachsen-Anhalt war fĂŒr die CDU ohnehin eine Katastrophe. Jetzt zeigt eine neue Folge der ZDF-Dokumentation âInside CDUâ, wie MinisterprĂ€sident Sven Schulze im Fernsehstudio offenbar einem Treffen mit AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund aus dem Weg ging. Die Szenen wirken wie ein Sinnbild fĂŒr eine Partei, die vor der Wirklichkeit in Deckung geht.
âEr wollte ihm ja nicht begegnenâ
Die Aufnahmen stammen aus dem ZDF-Studio am Wahlabend. Als Schulze den Raum betritt, ist Siegmund noch da. Ein Produzent kommentiert die Lage trocken:
âIch habe es schon vorher gesagt, ja. Er wollte ihm ja nicht begegnen.â
Ein anderer Mitarbeiter merkt an, Siegmund sei âauf den letzten DrĂŒckerâ eingetroffen. Eine Mitarbeiterin aus Schulzes Umfeld stellt laut Dokumentation dann klar, man mĂŒsse sich absprechen, denn sie habe gesagt, âdas machen wir nichtâ. Das CDU-Team solle erst dazukommen, âwenn er wirklich drauĂen istâ.
Warten hinter der Trennwand
Was folgt, hat fast schon Slapstick-QualitĂ€t. Schulze wird in einen abgetrennten Bereich hinter den Kulissen gefĂŒhrt. âWo soll ich hin?â, fragt er. Als man ihm einen Platz zum Warten zeigt, kommt prompt der Nachsatz: âAber nicht zu den Journalisten.â
Kurz darauf fasst ein Mitarbeiter die Situation fĂŒr einen Kollegen zusammen: Schulze sei nicht da gewesen, weil Siegmund noch da gewesen sei. Ein amtierender Regierungschef, der sich hinter StellwĂ€nden verschanzt, wĂ€hrend der Wahlsieger Interviews gibt. Dazu passt auch der Rest des Abends.
Das historische Debakel in Zahlen
Die Wahl am 6. September 2026 hat die politische Landschaft in Magdeburg auf den Kopf gestellt. Nach dem vorlÀufigen Endergebnis sieht es so aus:
- AfD: 43,8 Prozent, bestes Ergebnis der Partei bei einer Landtagswahl ĂŒberhaupt
- CDU: 17,2 Prozent, schlechtester Wert in der Landesgeschichte (2021 waren es noch rund 37 Prozent)
- SPD 9,3, GrĂŒne 8,9, Linke 8,6, BSW 5,3 Prozent, die FDP fliegt mit 2,6 Prozent raus
Die Wahlbeteiligung stieg den Berichten zufolge auf einen Rekordwert von 77,8 Prozent. Die WĂ€hler sind also nicht aus Frust zu Hause geblieben. Sie haben ihr Urteil bewusst abgegeben. Die absolute Mehrheit verpasste die AfD nur knapp. Schulze verlor sogar seinen eigenen Wahlkreis und hat angekĂŒndigt, sich von der Spitze des CDU-Landesverbands zurĂŒckzuziehen.
Brandmauer unter Druck
Die Dokumentation zeigt aber mehr als die peinliche Szene im Studio. Zwei CDU-WahlkĂ€mpfer berichten, dass BĂŒrger sie an den InfostĂ€nden immer wieder auf die Brandmauer angesprochen hĂ€tten. In der Partei werde laut der Doku zunehmend darĂŒber gestritten, ob der strikte Ausschluss jeder Zusammenarbeit mit der AfD bei solchen Umfragewerten noch durchzuhalten sei.
Auch bei der Organisation soll es gehakt haben. Bei einem Besuch in der Berliner Parteizentrale, aus der die WahlkĂ€mpfe der Union gesteuert werden, fragte Schulze die Mitarbeiter, wer von ihnen aus Sachsen-Anhalt komme. Nur einer hob die Hand. Viele Beobachter werten das als Beleg dafĂŒr, wie weit die Hauptstadt-Strategen von den Menschen zwischen Harz und Altmark entfernt sind.
Kanzlerpartei ohne Kompass?
FĂŒr Friedrich Merz ist das Ergebnis eine schwere Hypothek. Die Union regiert im Bund mit der SPD, verspricht Aufbruch und stapelt gleichzeitig neue Schulden. Im Osten kommt davon offenbar wenig an. Wer als Wahlverlierer dem Sieger nicht einmal im Studio begegnen will, sendet ein fatales Signal: Nicht die Auseinandersetzung wird gesucht, sondern der Notausgang.
Pikant ist dabei, dass ausgerechnet das gebĂŒhrenfinanzierte ZDF diese Bilder liefert. Man kann dem Sender die Aufnahmen kaum vorwerfen. Sie zeigen allerdings schonungslos, was viele BĂŒrger lĂ€ngst vermuten: Die CDU hat in Sachsen-Anhalt nicht nur Stimmen verloren, sondern auch ihre Haltung und ihr Selbstbewusstsein.

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