
Quanten-Alarm aus Brüssel: Droht Bitcoin der digitale Super-GAU?

Europas Finanzaufseher warnen offiziell: Leistungsfähige Quantencomputer könnten eines Tages die Verschlüsselung knacken, auf der Bitcoin und andere Blockchains beruhen. Nach Daten des Analysehauses CryptoQuant gelten rund 6,9 Millionen Bitcoin im Wert von etwa 586 Milliarden US-Dollar als besonders angreifbar. Die Warnung kommt zu einem schlechten Zeitpunkt, denn der Kryptomarkt steht ohnehin unter Druck.
Die Aufseher setzen Quanten auf die Risikoliste
Hinter der Warnung steht der Gemeinsame Ausschuss der drei europäischen Aufsichtsbehörden EBA, ESMA und EIOPA. Er hat am 23. September seinen Risikobericht für den Herbst 2026 vorgelegt. Darin taucht Quantencomputing laut Medienberichten gleichrangig neben KI-gestützten Cyberangriffen und den Risiken privater Kreditmärkte auf.
Die Aufseher halten es für möglich, dass die Gefahr schon greifbar wird, bevor die Technik überhaupt wirtschaftlich sinnvoll einsetzbar ist. Das Szenario hat einen Namen: „Harvest now, decrypt later“, also heute sammeln und später entschlüsseln. Angreifer horten schon jetzt verschlüsselte Daten und öffentlich sichtbare Schlüssel. Knacken wollen sie diese erst, wenn die passende Rechenleistung verfügbar ist.
Warum ausgerechnet alte Adressen in Gefahr sind
Am stärksten gefährdet sind ältere und mehrfach genutzte Bitcoin-Adressen. Bei ihnen liegt der öffentliche Schlüssel offen in der Blockchain. Ein ausreichend starker Quantenrechner könnte daraus den privaten Schlüssel errechnen und die Coins übernehmen. Bei vielen neueren Adressen versteckt ein kryptografischer Hash den Schlüssel noch, sie gelten deshalb vorerst als besser geschützt.
Berichten zufolge liegen allein rund 1,91 Millionen Bitcoin in besonders alten P2PK-Adressen. Zum Vergleich: Es kann höchstens 21 Millionen Bitcoin geben. Fast ein Drittel dieser Menge wäre im schlimmsten Fall betroffen.
Das Problem sitzt im System selbst
Heute gibt es keinen Quantencomputer, der das kann. Unbequem ist trotzdem die Frage, wer im Ernstfall handelt. Bitcoin hat keine Zentrale, die ein Sicherheitsupdate einfach einspielt. Der Wechsel zu quantensicherer Verschlüsselung bräuchte eine Einigung im gesamten Netzwerk. Die Besitzer müssten ihre Guthaben außerdem rechtzeitig auf neue Adressen umziehen. In der Szene wird seit Langem darüber gestritten, ob gefährdete Alt-Coins notfalls eingefroren werden sollten. Ausgerechnet eine Währung, die ohne Verwalter auskommen will, müsste dann einen Eingriff von oben hinnehmen.
Die EU-Kommission hat den Mitgliedstaaten laut Medienberichten vorgegeben, bis Ende 2026 mit der Umstellung auf Post-Quanten-Kryptografie zu beginnen. Bis 2030 sollen besonders kritische Anwendungen geschützt sein.
Rendite-Schock trifft den Kryptomarkt
Die Warnung trifft einen Markt, der ohnehin wackelt. Bitcoin fiel zuletzt auf rund 83.300 US-Dollar, weil die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen den höchsten Stand seit 2007 erreichte. Ether, XRP und Solana verloren ebenfalls. Kurz zuvor war Bitcoin an der Marke von 87.000 Dollar gescheitert. Binnen vier Stunden wurden gehebelte Long-Positionen im Umfang von rund 280 Millionen Dollar zwangsweise aufgelöst.
Laut CryptoQuant blieb die Nachfrage am Spotmarkt über 30 Tage hinweg negativ, mit einem Minus von rund 180.000 BTC. Getragen wird der Kurs demnach vor allem vom Derivatehandel. Die offenen Positionen bei Bitcoin-Futures sanken um etwa sechs Prozent. Dazu passt ein Signal mit Symbolkraft: Die einst dominierende Derivatebörse BitMEX hat den Handel eingestellt. Kunden können ihre Guthaben aber weiterhin abziehen.
Was Gold und Silber anders macht
Die Debatte zeigt, worauf digitale Werte am Ende beruhen: auf Mathematik, Software und der Einigkeit ihrer Nutzer. Ein Goldbarren im Tresor braucht keinen Schlüssel, den ein Quantenrechner errechnen könnte, und kein Update, über das ein Netzwerk erst abstimmen muss. Seit Jahrtausenden hat physisches Edelmetall Krisen und Währungsreformen überstanden, ebenso jeden technischen Umbruch.
Wer sein Vermögen gegen solche Risiken absichern will, kann physisches Gold und Silber als Beimischung in einem breit gestreuten Portfolio nutzen.
Hinweis: Dieser Beitrag dient ausschließlich der Information und ist keine Anlageberatung. Er ist keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Kryptowährungen, Edelmetallen oder anderen Finanzprodukten. Informieren Sie sich selbst gründlich. Für Ihre Anlageentscheidungen sind Sie allein verantwortlich.
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