
Ibrahim-Brief bringt Linke in Not: Wahlhilfe von langer Hand geplant?

Erst die umstrittenen GĂ€ste auf der Wahlparty, jetzt ein Brief, der die Berliner Linke weiter unter Druck setzt. Ibrahim Ibrahim, den Medien als Hamas-nahen Aktivisten beschreiben, erklĂ€rt in einem GlĂŒckwunschschreiben, seine UnterstĂŒtzung fĂŒr die Wahlsieger sei âkeine spontane Entscheidungâ gewesen. Damit gerĂ€t die bisherige Darstellung der Partei, man habe mit dem Mann nichts zu tun, ins Wanken.
Ein Triumph mit bitterem Beigeschmack
Am 20. September hat die Linke die Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus klar gewonnen. Sie holte gut ein Viertel der Stimmen. Laut Deutschlandfunk stĂŒrzte die CDU auf 18,8 Prozent ab, die SPD auf 12,1 Prozent. Die AfD legte auf 16,3 Prozent zu. Spitzenkandidatin Elif Eralp will Regierende BĂŒrgermeisterin werden, als wahrscheinlichste Option gilt ein rot-grĂŒn-rotes BĂŒndnis.
Doch die Siegesfeier wurde schnell zur Belastung. Auf der offenen Wahlparty in Neukölln tauchten Berichten zufolge der Chef des Remmo-Clans und Ibrahim Ibrahim auf. Ein Foto zeigt Ibrahim neben dem Neuköllner Bundestagsabgeordneten Ferat Koçak. Ibrahim vertritt das âVereinigte PalĂ€stinensische Nationalkomiteeâ (VPNK). Der Berliner Verfassungsschutz ordnet diesen Verband als Organisation der Hamas in Deutschland ein.
âKlare Entscheidungâ schon im Vorjahr
Brisant ist nun Ibrahims eigenes Schreiben. Darin heiĂt es:
âIch bin stolz darauf, dass wir bereits im vergangenen Jahr eine klare Entscheidung getroffen haben, Die Linke zu unterstĂŒtzen.â
Die UnterstĂŒtzung sei ânach GesprĂ€chen und einer kontinuierlichen Auseinandersetzung mit politischen Positionen und Themenâ entstanden, die âfĂŒr unsere Gemeinschaft von Bedeutung sindâ. Man habe Wahlaufrufe gezielt ĂŒber direkte GesprĂ€che an die palĂ€stinensische und arabische Gemeinschaft weitergegeben. Wichtig sei gewesen, die Stimmen nicht zu zersplittern. Als Kernthemen nennt Ibrahim âsoziale Gerechtigkeit, Rechte und Freiheiten sowie die palĂ€stinensische Frageâ.
Offen bleibt, mit wem diese GesprĂ€che gefĂŒhrt worden sein sollen. Das Schreiben nennt keine Namen und sagt auch nicht, wie nah die GesprĂ€chspartner der Partei standen. Gerade das macht die Sache so heikel.
Die Distanzierung der Partei wirkt plötzlich dĂŒnn
Die Linke hatte zunĂ€chst abgewiegelt. Der Bezirksverband erklĂ€rte laut Medienberichten, die beiden MĂ€nner seien nicht eingeladen gewesen. Parteichefin Ines Schwerdtner sagte, beide seien nach ihrer Kenntnis des Saales verwiesen worden. Fraktionschefin Heidi Reichinnek verwies darauf, die Party sei öffentlich gewesen: âWir haben ja unsere Wahlpartys jetzt nicht mit ZĂ€unen gesichert.â
Koçak selbst schrieb auf X, er habe Hunderte Fotos mit GĂ€sten gemacht. Von âgewalt- oder terrorverherrlichenden Aussagen der genannten Personâ distanziere er sich âausdrĂŒcklichâ. Ibrahims Namen nannte er dabei nicht.
Wer ist Ibrahim Ibrahim?
Nach Angaben des Vereins democ trat Ibrahim mehrfach als Redner bei Demonstrationen der PFLP auf. Bei einer âUnited4Gazaâ-Kundgebung im Herbst 2025 soll er den getöteten Hamas-Chef Yahya Sinwar als âMĂ€rtyrerheldenâ gepriesen haben. Sinwar gilt als einer der Hauptverantwortlichen fĂŒr das Massaker vom 7. Oktober 2023, bei dem mehr als 1200 Menschen in Israel getötet wurden.
Die Frage, die SPD und GrĂŒne beantworten mĂŒssen
Beobachter sehen einen klaren Widerspruch: Die Partei vermittelt, sie habe keinen nÀheren Bezug zu Ibrahim. Er dagegen spricht von GesprÀchen und einer Entscheidung, die schon lange feststand. Beides kann kaum gleichzeitig stimmen.
Jetzt sind SPD und GrĂŒne am Zug. Wollen sie mit einer Partei in einen Senat gehen, deren Wahlerfolg sich ein Aktivist aus dem Umfeld einer vom Verfassungsschutz der Hamas zugeordneten Organisation zuschreibt? In der Hauptstadt, in der jĂŒdisches Leben ohnehin nur unter Polizeischutz stattfinden kann, ist das mehr als ein Stilproblem. Es geht um die GlaubwĂŒrdigkeit derer, die gern âNie wiederâ rufen, wenn es politisch nichts kostet.

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