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01.09.2026
15:46 Uhr
KI-generiert

Billion-Dollar-Riss im Kreditmarkt: Die Ruhe ist gefÀhrlich

Billion-Dollar-Riss im Kreditmarkt: Die Ruhe ist gefÀhrlich
Symbolbild: KI-generiert

An den globalen KreditmĂ€rkten herrscht Friedhofsruhe – zumindest an der OberflĂ€che. Die RisikoaufschlĂ€ge fĂŒr erstklassige Unternehmensanleihen notieren nahe historischen TiefstĂ€nden, die Schwankungsbreite der Credit Spreads liegt laut Marktdaten auf einem der niedrigsten Niveaus seit fĂŒnf Jahren. Doch darunter klaffen Risse in Billionenhöhe.

Wie unter Berufung auf Bloomberg-Daten berichtet wird, hat sich das Volumen jener Unternehmensanleihen, deren RisikoaufschlĂ€ge fĂŒr ihr Rating auffĂ€llig hoch sind, seit Jahresbeginn mehr als verdoppelt – auf fast eine Billion Dollar.

580 Milliarden in den USA, 400 Milliarden in Europa

Rund 580 Milliarden Dollar entfallen dabei auf US-Papiere, knapp 400 Milliarden auf Europa. Betrachtet wurden Investment-Grade-Anleihen von Nicht-Finanzunternehmen mit ĂŒber drei Jahren Restlaufzeit.

Besonders pikant: Manche Anleihen mit A-Rating werden inzwischen mit höheren Spreads gehandelt als schlechter bewertete BBB-Papiere. Ende August traf das in den USA auf Bonds von 25 Single-A-Emittenten aus fĂŒnf Branchen zu. Der Markt glaubt den Rating-Agenturen also stellenweise nicht mehr.

Auf Indexebene ist davon nichts zu sehen. Der durchschnittliche Spread im US-Investment-Grade-Segment liegt bei 0,78 Prozentpunkten, in Europa bei 0,79 – nur Basispunkte ĂŒber dem tiefsten Stand seit einem Vierteljahrhundert. Ein Portfoliomanager des Vermögensverwalters Robeco bringt es trocken auf den Punkt:

„Die Spreads auf Indexebene sind langweilig und werden es wahrscheinlich auch bleiben.“

Der KI-Schuldenberg wÀchst schneller als jede Prognose

Der wichtigste Treiber der Verwerfungen heißt KĂŒnstliche Intelligenz. Amazon, Alphabet, Meta und Oracle haben bis Anfang Juli 2026 Anleihen ĂŒber rund 194 Milliarden Dollar platziert – 79 Prozent mehr als im gesamten Jahr 2025. Goldman Sachs rechnet inklusive Microsoft mit etwa 250 Milliarden Dollar Hyperscaler-Emissionen in diesem Jahr und 400 Milliarden im Jahr 2027.

Damit verschiebt sich die Statik des Marktes: Sechs Hyperscaler stellen mittlerweile rund 5 Prozent des US-Investment-Grade-Index – doppelt so viel wie vor zwei Jahren. Nach bestimmten Risikomaßen wiegen sie fĂŒr Anleiheinvestoren schwerer als die sechs großen Wall-Street-Banken. Ein Research-Co-Leiter von Breckinridge Capital Advisors argumentiert, Investoren mĂŒssten sowohl fĂŒr die Schuldenlast der Emittenten als auch fĂŒr die Angebotsflut entschĂ€digt werden.

Oracle: Wenn ein Tech-Riese ans Ramsch-Niveau rĂŒckt

Wie ernst der Markt differenziert, zeigt Oracle. S&P senkte die BonitĂ€t auf BBB− – eine einzige Stufe ĂŒber Ramschniveau. Die fĂŒnfjĂ€hrigen Credit Default Swaps, also die Absicherungskosten gegen einen Zahlungsausfall, kletterten zeitweise ĂŒber 200 Basispunkte. Vor einem Jahr lagen sie bei rund 40. Medienberichten zufolge stĂŒtzte die Agentur ihre Entscheidung auf eine Schuldenlast im dreistelligen Milliardenbereich und die starke AbhĂ€ngigkeit von einem einzigen Großkunden aus dem KI-Sektor.

Selbst Nvidia bleibt nicht verschont: Die fĂŒnfjĂ€hrigen CDS haben sich seit Mitte Juni von etwa 42 auf rund 80 Basispunkte verdoppelt – bei einer nach wie vor robusten Bilanz.

Nicht nur KI: Autobauer, Software, Versicherer

Die Bruchlinien reichen weiter. Autohersteller kĂ€mpfen mit chinesischer Konkurrenz, Softwarekonzerne mit Disruptionsrisiken durch KI, Versicherer mit ihrer Private-Credit-Exponierung. Systemischer Stress ist das noch nicht – aber der Kreditzyklus sei „nicht mehr ganz so einfach“, so der Robeco-Manager.

WĂ€hrend die AktienmĂ€rkte weiter auf die Gewinner des KI-Booms wetten, stellen die AnleihemĂ€rkte die unbequemere Frage: Wer kann diese Investitionen dauerhaft schultern? Parallel steigen die Staatsanleiherenditen – deutsche Papiere erreichten Berichten zufolge 3,36 Prozent, japanische erstmals seit 30 Jahren ĂŒber 3 Prozent. FĂŒr Anleger, die nicht auf Schuldner-Versprechen angewiesen sein wollen, bleibt physisches Gold und Silber als unabhĂ€ngige Beimischung in einem breit gestreuten Vermögen eine Überlegung wert.

Hinweis: Dieser Beitrag dient der Information und stellt keine Anlageberatung dar. Wir geben keine Kauf- oder Verkaufsempfehlungen. Jeder Anleger ist fĂŒr seine Entscheidungen selbst verantwortlich und sollte eigene Recherchen anstellen.

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