
221 Millionen für Games: Der Bund weiß nicht, was daraus wurde!

Seit 2019 hat der Bund rund 221 Millionen Euro für die Entwicklung von Computerspielen bewilligt. Ob damit auch nur ein Spiel wirtschaftlich erfolgreich war, weiß die Bundesregierung nicht. Das geht aus ihrer Antwort auf eine Kleine Anfrage der AfD-Bundestagsfraktion hervor, über die die Berliner Zeitung berichtet.
Viel Geld, keine Bilanz
Bis Ende 2025 sollen rund 193 Millionen Euro tatsächlich ausgezahlt worden sein. Der Staat übernimmt dabei bis zu 50 Prozent der Entwicklungskosten, in früheren De-minimis-Fällen sogar bis zu 70 Prozent. Das ist eine großzügige Quote. Nachgeprüft wird danach aber offenbar kaum.
Nach Verkaufszahlen und Umsätzen gefragt, antwortet das Ressort von Forschungsministerin Dorothee Bär (CSU), dazu lägen „keine Erkenntnisse“ vor. Was nach Projektende passiert, sei „zuwendungsrechtlich nicht relevant und werden nicht erfasst“. Auch über welche Plattformen die geförderten Spiele verkauft werden, ist dem Bund nicht bekannt.
Eine begleitende Erfolgskontrolle gibt es laut der Antwort erst seit 2025, also sechs Jahre nach dem Start des Programms. Im Kern werden dafür die geförderten Firmen selbst befragt. Wer so prüft, bekommt vor allem die Antworten, die er hören möchte.
Das Parlament stimmt zu, ohne die Grundlage zu kennen
Die vorgeschriebene Wirtschaftlichkeitsuntersuchung vom Dezember 2023 soll dem Haushaltsausschuss nie vorgelegt worden sein. Die Abgeordneten geben also Geld frei, ohne die Begründung des Ministeriums geprüft zu haben. Für 2027 sind trotzdem weitere 123,8 Millionen Euro eingeplant, dazu Verpflichtungsermächtigungen über 171,1 Millionen Euro.
Ein Blick auf die Antragszahlen passt ins Bild. Seit 2019 wurden 714 Anträge bewilligt. Nur drei wurden mit der Begründung abgelehnt, das Projekt käme auch ohne Staatsgeld zustande. Die Empfehlung des Bundesrechnungshofes, künftig nur bedingt rückzahlbare Darlehen zu vergeben, hat die Regierung nicht umgesetzt. Damit trägt der Steuerzahler das Risiko von Verlusten. An Gewinnen ist er nicht beteiligt.
Einzelfälle, die Fragen aufwerfen
Das Büro des AfD-Haushaltspolitikers Michael Espendiller hat mehrere Projekte aus der Förderliste herausgesucht. Sie sind nicht repräsentativ. Sie zeigen aber, wohin Geld fließen kann:
- „Hate Rebel“ (rund 177.000 Euro): Darin kämpft eine „Rebellenkatze“ im Netz gegen „Hater“. Das Geld ging an die Berliner Denkfabrik iRights.Lab, gefördert mit dem Höchstsatz von 70 Prozent. Das beteiligte Studio nennt das Ergebnis selbst einen Prototyp, der „not open to the public“ sei.
- „The Wagadu Chronicles“ (etwa 500.000 Euro): Das Online-Rollenspiel ging im Dezember 2023 an den Start, damals noch unter Wirtschaftsminister Robert Habeck. Laut Bericht war es im Mai 2024 wegen fehlender Finanzierung schon wieder offline. Das sind 166 Tage Spielbetrieb. Die letzte Rate von rund 25.000 Euro wurde noch im Jahr der Abschaltung gezahlt.
- „Entsorgungsspiel“ (rund 270.000 Euro): Nach Recherchen der AfD-Fraktion steckt dahinter ein Werbespiel des Entsorgungsunternehmens Lobbe. Drei Viertel des Geldes seien an eine Werbeagentur gegangen. Die Opposition wirft der Regierung vor, damit Imagewerbung eines Privatunternehmens mitbezahlt zu haben.
Dazu kommen laut Bericht eine Klima-Lern-App für fast 400.000 Euro mit „1.000+ Downloads“ bei Google Play und eine Kinder-App für über 100.000 Euro mit „10+ Downloads“.
Eine Branche mit Milliardenumsatz
Der deutsche Gaming-Markt kam 2025 nach Angaben des Branchenverbands auf rund 9,4 Milliarden Euro Umsatz, vier Prozent mehr als im Vorjahr. Espendiller hält die Förderung deshalb für überflüssig:
„Fast jeder, der Geld beantragt, bekommt es, und hinterher fragt niemand, was daraus geworden ist.“
Er spricht von Subventionen nach dem Gießkannenprinzip und fordert, die Förderung solle „komplett entfallen“.
Man muss diese Forderung nicht teilen, um das Grundproblem zu sehen. Die Koalition aus Union und SPD macht mit dem Sondervermögen neue Schulden in Rekordhöhe. Gleichzeitig kann sie nicht sagen, ob Fördergeld in dreistelliger Millionenhöhe irgendetwas gebracht hat. Wer von Bürgern und Betrieben jeden Beleg verlangt, sollte bei den eigenen Ausgaben nicht auf die Kontrolle verzichten.

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